Einzugsgebiet richtig bestimmen

Fünf Methoden im Vergleich, mit ihren Datenanforderungen, ihren Schwächen und dem, was Sie dokumentieren sollten.

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Die kurze Antwort

Es gibt keine allgemein richtige Methode, es gibt eine, die zur jeweiligen Frage und zu den vorhandenen Daten passt. Wer echte Kundendaten hat, für den ist alles andere eine Näherung. Wer keine hat, für den ist die Fahrzeit bei Erreichbarkeitsfragen und die Postleitzahl bei operativen Gebieten die belastbarste Wahl. Entscheidend ist weniger die Methode selbst, als dass sie dokumentiert wird.

Welche Methoden gibt es, ein Einzugsgebiet abzugrenzen?

Fünf Methoden stehen grundsätzlich zur Verfügung, jede mit einem eigenen Blickwinkel auf dieselbe Frage, was zu einem Standort gehört.

Fünf Methoden im Überblick
MethodeGrundidee
Kilometer-Radiusgeometrische Nähe
Fahrzeit (Isochrone)tatsächliche Erreichbarkeit
Postleitzahlgebieteoperative Zuständigkeit
Verwaltungsgrenzenadministrative Zuordnung
Echte Kundendatentatsächliches Verhalten

Wie vergleichen sich die fünf Methoden?

Methoden-Matrix
MethodeWas sie abbildetDaten nötigStärkeSchwäche
Kilometer-Radiusgeometrische Nähekeinesofort, überall erklärbar, siehe Umkreis-Karteignoriert Erreichbarkeit vollständig
Fahrzeit (Isochrone)tatsächliche ErreichbarkeitStraßennetzbildet Wege ab, nah am Kundenverhalten, siehe Fahrzeit-KarteVerkehrslage und ÖPNV bleiben außen vor
Postleitzahlgebieteoperative ZuständigkeitPLZ-Grenzendirekt nutzbar für Versand und CRM, siehe PLZ-Umkreissuchefolgt Zustellwegen, nicht Erreichbarkeit
Verwaltungsgrenzenadministrative ZuordnungGemeinde- und Kreisgrenzenamtlich, stabil, mit Statistik verknüpfbarhat mit Kundenverhalten wenig zu tun
Echte Kundendatentatsächliches Verhalteneigene Adress- oder Auftragsdateneinzige Methode, die misst statt schätztbraucht genug Daten, Datenschutz beachten

Welche Daten braucht welche Methode?

Radius und Fahrzeit brauchen lediglich einen Startpunkt, beide liefern das Ergebnis direkt aus den hier verfügbaren Werkzeugen. Postleitzahlgebiete und Verwaltungsgrenzen setzen die jeweiligen amtlichen Grenzdaten voraus, ebenfalls direkt verfügbar. Echte Kundendaten erfordern eine eigene Datengrundlage, etwa aus dem CRM oder der Auftragsverwaltung, samt Beachtung des Datenschutzes bei personenbezogenen Adressen.

Wie dokumentiere ich die Abgrenzung nachvollziehbar?

Sechs Angaben machen eine Einzugsgebiets-Analyse nachvollziehbar und später überprüfbar.

  1. Zweck. Wofür das Gebiet gebraucht wird.
  2. Methode und Parameter. Welche Methode, mit welchem Wert.
  3. Begründung. Warum diese Methode für diesen Zweck.
  4. Datengrundlage mit Stand. Quelle und Stichtag je Wert.
  5. Prüfung gegen die Realität. Bekannte Kunden- oder Auftragsorte gegen das Gebiet gehalten.
  6. Datum und Gültigkeit. Wann erstellt, wann erneut zu prüfen.

Methode, Parameter und Datenstand schreibt Einzugsgebiet berechnen automatisch in jede Auswertung.

Welche Fehler machen Einzugsgebiets-Analysen unbrauchbar?

  • Radius über eine natürliche Barriere gezogen. Ein Fluss oder Gebirge wird ignoriert.
  • Fahrzeit bei freier Fahrt als Alltagswert ausgegeben. Ohne den Hinweis auf freie Fahrt wirkt das Ergebnis präziser, als es ist.
  • Einwohner aus PLZ-Mittelpunkten statt aus Gitterdaten geschätzt. Einwohner im Umkreis berechnen rechnet genauer aus Zensus-Gitterdaten.
  • Das Gebiet nie gegen echte Standorte geprüft. Ohne diese Prüfung bleibt es eine Annahme.
  • Die Methode nicht dokumentiert. Damit lässt sich das Ergebnis später nicht mehr reproduzieren.

Wie oft sollte ein Einzugsgebiet überprüft werden?

Kein fester Zeitabstand ist sinnvoll, entscheidend sind Auslöser. Ein neuer Wettbewerber in der Nähe, eine neu gebaute oder gesperrte Straße, eine Gebietsreform, ein aktualisierter Postleitzahlen-Datensatz oder eine spürbare Veränderung im Kundenstamm sind jeweils ein guter Anlass, die Abgrenzung neu zu prüfen.